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Nimm ein Stück Ferien mit in deinen Alltag!

  • Autorenbild: Marlies Ellhardt-Kohn
    Marlies Ellhardt-Kohn
  • 13. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit


Die Ferien gehen zu Ende. Die Koffer sind wieder ausgepackt, die letzten Urlaubserlebnisse werden erzählt und langsam rücken Stundenplan, Schulranzen und Wecker wieder in den Mittelpunkt.


Und damit beginnt für viele Familien die Rückkehr in einen Alltag, der deutlich stärker getaktet ist.


Aber halt!


Muss eigentlich alles, was uns in den Ferien gutgetan hat, mit dem ersten Schultag enden?


Vielleicht lohnt sich gerade jetzt ein Blick zurück, nicht wehmütig, sondern neugierig.


Denn möglicherweise steckt in den vergangenen Wochen einiges, das Kinder, Jugendliche und auch wir

Erwachsenen wunderbar mit in den Alltag nehmen können.


Was hat dir in den Ferien gutgetan?


Ferien verändern unseren Tagesablauf. Termine werden weniger, manches darf spontaner entstehen

und häufig bleibt mehr Zeit für Dinge, die im Alltag zu kurz kommen.


Vielleicht war da …


🌿 viel Bewegung draußen,

⚽ regelmäßiger Sport,

💬 Zeit für lange Gespräche,

😊 eine besondere Begegnung mit einem neuen Menschen,

📱 weniger Zeit am Handy,

🚲 eine Fahrradtour am Abend,

📖 Lesen ohne Zeitdruck,

🍉 gemeinsames Essen,

😴 ausreichend Schlaf


oder einfach das wunderbare Gefühl, einmal nichts vorhaben zu müssen.

Solche Erfahrungen sind mehr als schöne Ferienerinnerungen.

Sie können Hinweise darauf geben, was uns guttut.


Und genau deshalb lohnt es sich, sie ein wenig genauer anzuschauen.


Ferienerlebnisse können zu Ressourcen werden


Im Lerncoaching richten wir den Blick gern auf Ressourcen. Damit sind all die Dinge gemeint, die uns Kraft geben, uns unterstützen und dazu beitragen, dass wir Herausforderungen leichter bewältigen können.


Bewegung, Pausen, eine angenehme Umgebung und stärkende Beziehungen gehören auch zu den Faktoren, die Lernen unterstützen können. Nicht alles, was Kinder für einen guten Schulalltag brauchen, findet also am Schreibtisch statt.


Ein Jugendlicher, der im Urlaub jeden Abend mit anderen Volleyball gespielt hat, entdeckt vielleicht, wie gut ihm Bewegung nach einem langen Tag tut.


Ein Kind merkt möglicherweise, dass die gemeinsamen Gespräche beim Abendessen besonders schön waren.


Und jemand anderes stellt fest:


„Eigentlich war es richtig angenehm, mein Handy nicht ständig dabeizuhaben.“


Das sind wertvolle Entdeckungen.


Kleine Inseln statt großer Veränderungen


Natürlich lässt sich ein Ferientag nicht einfach in einen Schulalltag kopieren.

Und darum geht es auch gar nicht.

Viel spannender ist die Frage:


„Welches kleine Stück davon könnte in meinem Alltag bleiben?“


Aus dem langen Strandspaziergang wird vielleicht eine kleine Runde nach dem Abendessen.


Aus dem täglichen Schwimmen wird der feste Sporttermin in der Woche.


Aus stundenlanger handyfreier Zeit werden 30 Minuten ohne Bildschirm.


Aus langen Urlaubsgesprächen entsteht ein gemeinsames Abendessen, bei dem das Handy einfach einmal Pause hat.


Und aus dem entspannten Lesen in der Hängematte werden vielleicht zehn Minuten Lesen vor dem Schlafengehen.


So entstehen kleine Ferieninseln im Alltag. Nicht groß, nicht perfekt aber wohltuend.


Ein kleines Familienexperiment zum Schulstart


Vielleicht setzt ihr euch in den nächsten Tagen einmal zusammen und jeder überlegt für sich:

„Was hat mir in diesen Ferien besonders gutgetan?“


Danach wird gesammelt. Bestimmt gibt es ganz unterschiedliche Antworten. Genau das macht es spannend, denn Menschen tanken auf unterschiedliche Weise Kraft.


Anschließend kann jede Person eine zweite Frage beantworten:


„Wovon möchte ich mir ein kleines Stück in meinem Alltag erhalten?“


Und dann wird es konkret:


„Wie könnte das in einer ganz kleinen Form funktionieren?“


Aus „mehr Zeit miteinander“ könnte zum Beispiel ein gemeinsamer Spieleabend werden.

Aus „mehr draußen sein“ eine kleine Fahrradrunde. Aus „weniger Handy“ eine gemeinsame handyfreie Zeit.

Aus „mehr Ruhe“ eine Viertelstunde Rückzug nach der Schule.


Je kleiner und konkreter die Idee ist, desto leichter findet sie ihren Platz im Alltag. Auch aus der Motivationsforschung kennen wir den Wert konkreter Planung: Ein Vorhaben bekommt deutlich mehr Kraft, wenn aus einem allgemeinen Wunsch eine konkrete Handlung wird.


Und wenn der Alltag wieder dazwischenkommt?


Dann ist die kleine Insel nicht verschwunden. Sie hat an diesem Tag einfach keinen Platz gefunden. Am nächsten Tag gibt es eine neue Gelegenheit.


Es geht nicht darum, eine weitere Aufgabe in den ohnehin vollen Familienalltag zu packen. Genau das wäre das Gegenteil dessen, was wir erreichen möchten. Die Ferieninsel darf guttun. Sie darf leicht sein und sich verändern. Wahrscheinlich passt nach einigen Wochen etwas anderes besser.


Eine schöne ressourcenorientierte Frage könnte dann sein:


„Was würde uns im Moment guttun und wie können wir ein kleines bisschen mehr davon in unseren Alltag holen?“


Schule beginnt und das Gute darf bleiben


Der Schulstart bringt wieder mehr Struktur, Aufgaben und Verpflichtungen mit sich.


Gleichzeitig nehmen Kinder und Jugendliche viel mehr aus ihren Ferien mit als Souvenirs, Fotos oder Sand in den Schuhen.


Sie nehmen Erfahrungen mit, Begegnungen, Mut, Selbstständigkeit, Erholung, neue Interessen und gemeinsame Erinnerungen. Und sicher sogar die Entdeckung, was ihnen persönlich besonders guttut.


Genau diese Erfahrungen dürfen mit in die Schultasche.


Mein Schulstart-Impuls für dich

Bevor der Alltag wieder richtig Fahrt aufnimmt, könntest du dein Kind einmal fragen:


„Was möchtest du aus deinen Ferien gern mit in deinen Alltag nehmen?“

Und dann: zuhören. Vielleicht überrascht dich die Antwort.


Denn manchmal wissen Kinder ziemlich genau, was ihnen guttut. Sie brauchen nur jemanden, der ihnen Raum gibt, es zu entdecken und auszusprechen.


Ich wünsche euch einen guten, entspannten und zuversichtlichen Start in das neue Schuljahr und viele kleine Ferieninseln, die euch noch lange begleiten.


Herzliche Grüße

Marlies Ellhardt-Kohn

Bildungshaus Seevetal

© Bildungshaus Seevetal · Marlies Ellhardt-Kohn · 2026

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